Querschläger - Kultband aus dem Lungau

Querschläger LIVE

Kultige Grenzgänge zwischen Konzert & Kabarett

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Die Lungauer Musikruppe "Querschläger" hat sich in den letzten Jahren durch 400 Auftitte (von der Almhütte ohne Zufahrtsstraße bis zum Festival mit Großbühne) unbestritten vom Geheimtipp zur Kultband entwickelt.

Gemeinsame Auftritte mit Kabarett-Großmeister Josef Hader, ein Abend mit Größen wie Otto Schenk und Hanns Meilhammer im Hauptprogramm des Sternenzelt-Festivals oder mit der bayrischen "Biermösl Blåsn" beim kulturpolitischen Aschermittwoch in Ried, die Mitarbeit bei den preisgekrönten Theaterprojekten "Die Fabrik" und "Die Bettlerhochzeit", serienweise ausverkaufte Säle bei den Konzerten in den letzten Jahren, ein Einzelauftritt auf der Jedermannbühne am Salzburger Domplatz vor 3500 und ein Konzert auf der Hauptbühne des Donauinselfests 2007 vor 35.000 Zuschauern haben diesen Ruf noch gefestigt.

Mit ihrem Konzept, sowohl musikalische und sprachliche, als auch inhaltliche Gegensätze aufeinanderprallen zu lassen, die dabei entstehenden Trümmer neu zusammenzusetzen und zu interpretieren und daraus etwas Eigenständiges mit starker regionaler Erdung und starkem emotionalen Potential zu entwickeln, haben sie sich einen Nischenplatz zwischen den gängigen Etiketten und Schubladen der populären Einweg-Musik und den Niederungen der Wuchtlreißer- und Schenkelklopfer-Comedy erkämpft.

Im Gegensatz zur "neuen Volksmusik", die vor allem neue musikalische Anknüpfungspunkte sucht und findet, gehen die Querschläger den umgekehrten Weg: Sie verwenden ganz bewusst bekannte und alltägliche musikalische Formen, stellen sie aber in einen neuen inhaltlichen Zusammenhang, füllen sie mit genau beobachteten Situationen, Klischees, Geschichten und Figuren aus dem Alltagsleben und verankern sie sozusagen in der Erlebenswelt der Zuhörer. Dadurch gewinnen sie ihnen neue, ungeahnte Facetten ab und kommen zu teils verblüffenden, teils entlarvenden Ergebnissen, die dem Zuhörer im originalen Lungauer Innergebirgsdialekt präsentiert werden.

Alte Sagenfiguren aus dem Lungau finden sich da zum Beispiel in bluesigen Balladen wieder, landläufige alpine Idylle werden auf Kollisionskurs mit der Realität geschickt, die Geschichten und Handlungsstränge altbekannter Volkslieder werden mit dem Personal des gegenwärtigen Alltagslebens besetzt, typische Situationen, Denkmuster und Inhalte werden sowohl in ihrem regionalen als auch in ihrem globalen Kontext hinterfragt, offengelegt und als gängige Klischees entlarvt.

Da kann es schon passieren, dass sich "eines Sonntags frühmorgens" nicht der Jaga und der Wildschütz, sondern der Förster und der Mountain-Biker im grünen Forst als Duellanten gegenüberstehen, dass Schwammerlsuchen als "Mushrooming" zur neuen Trendsportart erhoben wird, dass der Zaubara-Jåggl an den Crossroads von Robert Johnson seinen existentiellen Pakt mit dem Bluesteufel schließt, dass sich der "Turl Hofa va da Buttaseitn" mit den Kundengeldern seines Investment-Büros in die Karibik absetzt, dass in der kleinen Landgaststube uniformierte Schützen und nicht weniger uniformierte Love-Parade-Heimkehrer aufeinander treffen und mit der essenziellen Frage konfrontiert werden, wer sich nun vor wem mehr zu fürchten und wer denn nun wirklich das schrillere Outfit vorzuweisen hat.

In vielen Liedern wird dem oft ge- und vielfach missbrauchten Begriff Heimat in verschiedensten Zusammenhängen auf den Zahn gefühlt. Dabei werden nicht nur vordergründige Idylle des Landlebens demaskiert, des traditionellen genauso wie des alternativen, sondern es wird auch ein teils wehmütiger, teils analytischer Blick auf die sich rapide auflösenden ländlichen Strukturen geworfen oder dem Stammtisch ganz tief in die verletzte und verhetzte Seele geschaut.

Auch die omnipräsente Pop- und Massenkultur - ebenfalls eine Art moderne Heimat - wird durchleuchtet und hinterfragt. Anspruch und Realität von Begriffen wie Sinn und Freiheit in unserer von Konsum und Massenmedien bestimmten Welt werden gegenübergestellt, indem zum Beispiel von der Esoterik-Industrie abgeschöpften und gestrandeten Sinnsuchern ein Hymne gewidmet wird oder indem einer eingänglichen Schlagerschnulze bis ins Innerste - nicht nur ihrer Hörer sondern auch ihres Interpreten - gefolgt wird.

Es kann aber auch genauso gut passieren, dass ein anscheinend ganz harmlos beginnendes Liedchen mit gefälliger Melodie als tiefschwarze Moritat für die meisten handelnden Personen tödlich endet, dass auch in die dunklen, verschwiegenen und verschütteten Ecken der österreichischen Seele geleuchtet wird oder dass überhaupt nicht satirisch gemeinte, fragile und metaphernreiche Liebeslieder und Balladen den Zuhörer in gänzlich entgegengesetzte Gefühlslandschaften entführen.

Die Querschläger fahren in ihren Liedern nie den großen Zeigefinger aus sondern versuchen, egal um welches Thema es sich handelt, durch die Herstellung lokaler und persönlicher Bezüge immer die Betroffenheit des einzelnen Menschen darzustellen.

Durch die Querschläger-typische Aufbereitung der Programme mit kabarettistischen Zwischentexten und überleitenden Geschichten werden die Grenzen zwischen den einzelnen Polen verwischt, auch die Grenzen zwischen Konzert und Kabarett. Der schmale Grat zwischen komisch und ernst, zwischen Idylle und Abgrund, wird manchmal offensichtlich, manchmal nur zwischen den Zeilen sichtbar, manchmal verschwindet er gänzlich.

Und dass sich die Band bei live unter Einsatz von weit über 20 Instrumenten quer durch den musikalischen Gemüsegarten pflügt und vom Gstanzl über Jodler, Folk, Rock, Reggae, Ethno und Gehtno bis hin zu Blues und Funk alles gnadenlos auf Klischees abgeklopft und verarbeitet wird, ist ohnehin schon alte Querschläger-Tradition.

Besetzung:

Fritz Messner
Gesang & Gschichtln

Reinhard Simbürger
Gesang, Gitarren, Harp, Percussion, Berghorn, Didgeridoo, diverse Kleinteile

Mathias Messner
Gesang, Gitarren

Fritz Kronthaler
Kontrabaßklarinette, Saxophone, Dudelsack, Okarina, Flöten & Tröten

Franz Tannenberger
Keyboards, Akkordeon, Gesang

Nelli Neulinger
Bass

Thomas Binderberger
Schlagzeug und Percussion


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